In einem Selbstversuch hat unser Redakteur Carsten Tauber vor gut einem Monat seinen privaten Facebook Account gelöscht. Dabei war er zuvor ein sogenannter Power-User und hat das soziale Netzwerk seit 3 Jahren sehr regelmäßig, täglich nahezu über ein bis zwei Stunden über den Tag verteilt genutzt.

Bilanz nach 4 Wochen ohne Facebook

Es geht ganz klar ohne – es ging ja auch vor der Erfindung von Facebook ohne das soziale Netzwerk! „Zu Beginn der Löschung hatte ich dennoch das Gefühl, etwas zu verpassen“, sagte Carsten Tauber

Dieser Umstand ist nach seiner Auffassung zugleich auch das Geheimnis des Erfolges von Facebook: Jugendliche kommunizieren teils nur noch über soziale Netzwerke und ignorieren klassische, wie auch moderne Kommunikation via E-Mail, SMS und Telefon.

Wer solche Freunde hat, wird sich nicht so leicht von Facebook lösen können. In meinem Fall war dies Gott sei Dank nicht der Fall, jedoch habe ich Facebook vor allem als Branchenspezifischen News-Kanal genutzt. Die Vorteile „schneller News via Facebook“ überwogen zu Beginn und waren mir wichtig! Es bestand somit auch für mich ein Zwang, bei Facebook zu bleiben. Am Ende blieb jedoch nur eine überhebliche Selbstdarstellung meiner Informationsquellen…“

Nicht nur Facebook ändert sich, auch die Nutzer

Was spielt sich im sozialen Netzwerk Facebook eigentlich ab?

Nun, im Prinzip mutiert das Soziale Netzwerk immer mehr zu einer Selbstdarstellungplattform. Die meisten Facbooknutzer haben inzwischen verstanden, dass es weniger um Kommunikation und Spass, als viel mehr um den Erhalt, oder gar die Steigerung der eigenen Reputation geht. So werden Bilder vor dem Hochladen noch schnell mit Photoshop oder ähnlichen Hilfsmitteln aufgebessert und Partybilder im Bezug auf die Privatspähre zu recht gar nicht erst hochgeladen. Zu viele persönliche Pannen haben die Facebook-Nutzer in der Vergangenheit mit ihren persönlichen Erinnerungen erfahren. Falsche Datenschutzeinstellungen führten so mitunter zu peinlichen Veröffentlichungen weit über den Freundeskreis hinaus.

Was also bleibt, sind vorsichtiger werdende Beiträge immer mit dem Blick auf die eigene Reputation. Das ist für die Nutzer zwar aus o.g. Gründen auch dringend empfohlen, jedoch bremst diese eigens selbstauferlegte Nachrichtensperre für kritische News den Fun-Anteil erheblich. Übrig bleibt belanglose Selbstdarstellung und Katzenbilder.

Auf der anderen Seite drängen zunehmend mehr Unternehmen auf die Kommunikationplattform und versuchen sich dort in der Fangewinnung. Appleprodukte sind hoch im Kurs und werden gefühlt im 15 Minuten-Tackt verlost, aber auch Gutscheine und Testartikel werden minütlich über den Fangenerator Facebook verteilt. Immer auf der Suche nach weiteren Fans, die den Unternehmen jedoch überwiegend nur wegen der Geschenke folgen. Facebook ist für Firmen dennoch ungebremst attraktiv.

Letztlich bleibt Facebook selbst. Der Betreiber des sozialen Netzwerkes hat die menschliche Kommunikation sehr erfolgreich monetisiert und baut die Einnahmequellen stets weiter aus. In Kürze sollen Werbeunternehmen auch Nachrichten an noch Personen ohne Bezug zum eigenen Unternehmen verschicken können. Selbstverständlich gegen Bezahlung an den Plattformbetreiber. Durch Facebook organisierte Spamnachrichten könnten damit auch die geschlossene Freundesplattform in Kürze überschwemmen.

Dies zusammengefasst, war der Grund für meine Entscheidung: meinen Facebook Account löschen.

Denn im Prinzip ist Facebook auf dem besten Weg, zu einer vollkommenen Werbeplattform zu mutieren:

Die User selbst, die für sich selbst Werbung machen, die Unternehmen die sich dort darstellen und letztlich das Finanzkonzept von Facebook, dass ebenfalls Unmengen von Reklame in die Timeline spült. Letzteres verbunden mit der extremen Datensammelwut, die den User nur allzu gläsern darstellt.