Zuweilen seltsam ist das Verhalten des Bürgers hierzulande und außerhalb der Grenzen unseres so geliebten Mittelpunktes von Europa. Seltsam deswegen, weil sich der gemeine Bürger (welchen Staates auch immer) von so genannten „Skandalen“, die bei genauer Betrachtung weitaus weniger „skandalös“ sind, als es uns die Mainstream-Medien einbläuen, von wesentlich schlimmeren, echten Problemen ablenken lassen.

Der neueste Fall von Betrug, der in der Lebensmittelbranche nach kurzer Diskussion eher ein Sturm im Wasserglas ist, beschäftigt Politiker, Medien und Verbraucher gleichermaßen. Talkshows zum Thema werden gesendet, Debatten werden in den Plenarsälen geführt, Witze werden gerissen und dem Verbraucher ist der Appetit auf Hackfleischgerichte vergangen. Warum eigentlich?
Die Nachricht, dass in bestimmten Fertiggerichten in Großbritannien Pferdefleisch aufgetaucht sei, hat die Lebensmittelkontrolleure und -labore in große Bedrängnis gebracht. Pferdefleisch in Lasagne, Pferdefleisch in Tortellini und Pferdefleisch in allen möglichen Tiefkühlgerichten. Und das haben sie alles nicht früh genug erkannt. Was also tun die eigentlich den ganzen Tag, möchte man da nachfragen?
Nach und nach erschienen neue Schreckensmeldungen über das „kontaminierte“ Fleisch in unser aller liebster Nahrung und so manch einer glaubte bei dieser Art der Berichterstattung, dass nun sein letztes Stündlein geschlagen hätte, ob der schlimmen Vergiftung, die ihm widerfahren ist beim Verzehr der italienischen Spezialität aus der Tiefkühltruhe. Nun, bei nüchterner Betrachtung ist das alles ein ziemlicher Quatsch, denn Pferdefleisch ist eines der ältesten Lebensmittel der Menschheit. Unsere europäischen Vorfahren und auch Kulturen weit über die Grenzen unseres Kontinents hinaus hatten Pferdefleisch gern und teilweise sogar ausschließlich auf dem Speiseplan. Und dennoch nennen Hilfsorganisationen die Idee einiger pragmatischen Politiker, man könne doch die aus dem Verkauf genommenen Gerichte an die Ärmsten der Armen verteilen, als „zynisch, nicht zumutbar und menschenunwürdig“.

Nanu? Menschenunwürdig? Fleisch vom Pferd ist menschenunwürdig?

Für einen Moslem ist Schweinefleisch ein absolutes No-Go, das war mir schon immer klar, aber dass man in Europäischen Ländern Pferdefleisch als Nahrung kategorisch ablehnt, war mir bisher noch nicht bewusst. Was werden sich denn da die zahlreichen Pferdemetzger und Pferdezüchter denken, wenn ihr Produkt, das traditionell seit Jahrhunderten zur Ernährung der Menschheit beiträgt, auf diese Weise verunglimpft wird? Die Medien und die Stammtischpolitiker haben es also geschafft, ein anerkannt gutes, gesundes und fettarmes und dazu auch noch wohlschmeckendes Nahrungsmittel als „nicht akzeptabel“ für den Bürger zu deklarieren und die treuen Jünger der allwissenden Nachrichtensender stimmen in den Kanon mit ein. Hurra, die Sau ist durch Dorf getrieben, wer ist als nächster dran?

Gehen wir also mal davon aus, dass die Manipulation der Bevölkerung durch BILD und Co. nicht fruchtet und dass man Pferd als Nahrung nicht für das blanke Gift hält: Wie muss man sich nun dieses „herumreiten“ auf dem Pferdefleisch plausibel erklären?
Immerhin werden wir ja von der Nahrungsmittelindustrie schon seit Jahrzehnten betrogen und belogen und wir zappeln wie Marionetten an den Fäden von Nestlé, Kraft Food und sonstigen Konzernen, die uns vorgaukeln, dass sie nur zum Wohle der Menschheit Milliarden verdienen.
Da wird gemutmaßt, dass uns Pferdefleisch schadet, da die „Möglichkeit“ bestünde, dass die Pferde zuvor mit Medikamenten behandelt werden. Immerhin sollte jedem einigermaßen intelligenten Menschen klar sein, dass die große Masse an industriell hergestellten Fleisch dermaßen mit Medikamenten belastet ist, als würde man die chemischen Zusätze als Vieh-Futter verwenden. Dass man uns also mit diesen Methoden systematisch vergiftet, schien bisher niemanden hinterm Ofen hervor gelockt zu haben. Warum also jetzt ausgerechnet? Wo ist der Aufschrei der Verbraucher, wenn Sie auf der Verpackung Zusätze erkennen wie „Zitronensäure“, Mononatriumglutamat, Sorbitanmonolaurat, Emulgatoren, Modifizierte Stärke, etc.? Warum kaufen die ach so um ihre Gesundheit besorgten Bürger diese von der Lebensmittel-Chemieindustrie vergifteten Produkte und regen sich dann über harmloses Pferdefleisch auf, das unter Umständen nicht nur gesünder sondern auch schmackhafter ist als das Rindfleisch, das für Ramschpreise aus den Schlachthöfen gekarrt wird? Würde Pferdefleisch als E-767 auf der Verpackung kenntlich gemacht, hätte niemand, der sich hauptsächlich von diesem Müll ernährt, jemals Bedenken geäußert. Diese Problem wiegt eigentlich viel schwerer als sämtliche Pferde, die je den Weg in eine Fertiglasagne gefunden haben, zusammen auf die Waage bringen.