Christian Eberle´s Aufgabe ist es, Menschen zu verführen. Möglichst viele, am besten jedes Jahr zehntausende – und zwar mit einer Region die ohne diese Verführungskünste im allgemeinen Buhlen um den Donautouristen wohl wenig Beachtung fände.

Immerhin zwei Jahre hat es gedauert, bis das Projekt von der bloßen Idee bis hin zu einem greifbaren und gelebten Gesamtkonzept geworden ist. Angefangen hat es mit einer Anregung von Edith Bottler, Tourismusbeauftragte im Landratsamt Passau. Sie fragte Christian Eberle irgendwann 2010, ob es nicht eine gute Sache wäre, den Klosterwinkel und das bayerische Donautal zu einer gemeinsamen Werbe- und Tourismusgemeinschaft zu vereinen. Christian Eberle winkte zunächst ab: es roch nach Aufbauarbeit, hart und schwergängig, nein danke. Doch auch wenn er es gar nicht so recht an sich selbst wahrhaben möchte: aber offensichtlich ziehen ihn genau solche Aufgaben unwiderstehlich an.

Der Reiz war am Ende dann doch stärker als die Furcht vor den eventuellen Schwierigkeiten, und man machte sich ans Werk. Der Sinn eines derartigen Zusammenschlusses ist natürlich offensichtlich: organisatorisch erleichtert sich einiges, der Zugang zu Fördergeldern ist zumindest theoretisch erleichtert und ein gemeinsamer Werbeetat ist schlagkräftiger als viele einzelne, kleine Etats.

Das bayerische Donautal war zunächst eine touristische Kooperation von sieben Gemeinden: Künzing, Vilshofen, Windorf, Winzer, Osterhofen, Hofkirchen und Moos bewarben ihre Donau gemeinsam mit dem Ziel möglichst viele Besucher in die Region zu locken. Nun kam der Klosterwinkel mit weiteren sechs Gemeinden hinzu: Aidenbach, Ortenburg, Haarbach, Aldersbach, Beutelsbach und Fürstenzell.

Diese Gesamtkooperation konnte selbstverständlich zusammen einen stärkeren Auftritt erreichen, jedoch galt es zwischen Einzel- und Gemeinschaftsinteressen einen gut abgestimmten Mittelweg zu finden. Christian Eberle sieht da jedoch in der Sache wenig Probleme: „Unser Besucher ist ein Besucher der Region, nicht eines einzelnen Ortes. Wenn wir uns als Region geschlossen und stark aufstellen, haben wir einen besseren Zugang zum Besucher als es einem einzelnen Ort überhaupt möglich wäre. Es ist ja gerade die Vielfältigkeit der Orte, ihrer jeweiligen Geschichte und ihrer Sehenswürdigkeiten, die die Stärke dieses gebündelten touristischen Angebots ausmacht. Ein Ort alleine könnte den Urlauber wohl kaum eine ganze Woche alleine beschäftigen, Vilshofen ist nicht Barcelona – selbst dort wird es nach einer Woche schon schwierig sich noch ein interessantes Tagesprogramm auszudenken. Aber im Donautal und im Klosterwinkel zusammen gibt es mehr zu entdecken, als man in einer Woche schaffen kann. Darin liegt die Stärke der Region.“

Diese Stärke auf einen Punkt zu bringen, das wurde im neuen Prospekt versucht. Es ist gut gelungen. Der Gesamtkatalog „Bayerisches Donautal & Klosterwinkel“ zeigt sich dem Betrachter vor allem: anders. Anders in der Haptik, hochwertig in der Aufmachung. Er soll vor allem Lust machen, Neugier wecken, sich abheben vom Einerlei der Regionskataloge. Der Anfang ist gemacht, doch damit fängt die Arbeit jetzt erst an. Wanderkarten, Radwegkarten, eine ausdrucksstarke und moderne Internetpräsenz, das sind die Baustellen, die derzeit umgesetzt werden.

Die Projekte werden mit Hochdruck voran getrieben, man möchte so bald wie möglich mit dem Material nach draußen, zum potenziellen Urlauber. „Wir brauchen Geduld“, sagt Christian Ebele, „Doch das ist nicht gerade meine Stärke. Ich will immer alles gleich, an liebsten schon gestern fertig haben. Doch auch ich muss warten lernen. Es dauert eben so lange wie es dauert.“

Natürlich hätte Christian Eberele gerne die Verhältnisse wie bei seinen österreichischen Kollegen. Österreich hat schon vor sehr langer Zeit die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus verinnerlicht und stellt Budgets für die Tourismusförderung auf, von denen ein deutscher Amtskollege nur träumen kann. Anstatt aus dem Vollen schöpfen zu können, wird hierzulande eher gekürzt und auf die Werbebremse gedrückt. Christian Eberle sieht die Entwicklung durchaus skeptisch. Der Tourismus könnte hierzulande ruhig etwas mehr finanzielles Engagement vertragen, schließlich bedeutet jeder touristische Euro, welcher von den Besuchern in die Region gebracht wird, eine tatsächliche Steigerung des Kapitals, das in der Region zirkuliert.  Damit werden Arbeitsplätze geschaffen und Investitionen finanziert – und Steuereinnahmen erzeugt.

Doch wenn die Mittel nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen (und wann tun sie das schon?), dann führt auch die Strategie der kleinen Schritte irghendwann zum Ziel. Ein wichtiger Schritt ist für Christian Eberle, die Region überhaupt einmal in der Region selbst zu verankern: „Es ist durchaus nicht so, dass jeder Ort sich als Teil einer Gesamten Region sieht. Bei den Verantwortlichen innerhalb unserer neuen Gemeinschaft natürlich schon, aber im breiten Bewusstsein ist das schon noch eine wichtige Baustelle. Dass der Hofkirchener die Sehenswürdigkeiten von Fürstenzell kennt – und umgekehrt und kreuzundquer – ist keine Selbstverständlichkeit. Hier wollen wir mehr Querverbindungen herstellen. Nur wenn die Region sich auch als Einheit fühlt und diese Geschlossenheit lebt, dann funktioniert sie auch in der Außenwirkung. Wir haben baulich schon viel getan, zuletzt wurde 2012 der Wolfach-Radweg eingeweiht. Die ganze Region ist durch Radwege miteinander verbunden, doch das wissen selbst die Einheimischen noch gar nicht so richtig.“

Es gibt noch viel zu tun für Christian Eberle. Doch je schwieriger es scheint, desto mehr Spaß scheint er daran zu haben – auch wenn  er das gar nicht hören will…