Hitze und Druck – sind diese beiden Kräfte nur groß genug, beugt sich jedes Element vor ihrer Urgewalt. Im Feuer glühender Kohlen erhitzt und mit unzähligen erbarmungslosen Hammerschlägen unter den Willen seines Meisters gezwungen, wird selbst härtestes Eisen zu einem geschmeidigen Werkstoff, dem mit kreativem Geist und geschickter Hand elegante Form verliehen werden kann. Die Schmiedekunst ist im Handwerk zu einer seltenen Kunst geworden, nur noch wenige verstehen sich darauf, mit lodernder Glut und harter Hand aus derbem Eisen elegante Formen heraus zu schmieden. Andreas Tost ist in der Region einer der letzten seiner Zunft.

Ich bin auf das Schlimmste gefasst, als ich ihm meine Hand zur Begrüßung entgegenstrecke, denn die massiven Unterarme von Andreas Tost lassen wenig Zweifel daran aufkommen, dass er noch ein echter Schmied der alten Schule ist. Also lege ich ordentlich Vorspannung in meine Hand, als er danach greift, auf dass sie nicht sofort zerquetscht würde. Doch ich erlebe eine angenehme Überraschung. Dies ist nicht der Händedruck eines grobschlächtigen Kraftmeiers, dies ist der Händedruck eines Künstlers: feinfühlig, sensibel aber stabil, sanft aber bestimmt. Ich merke dass ich ein falsches Bild vom Beruf des Schmieds habe. Nullstellung im Kopf einnehmen, alles auf Anfang: es gibt etwas zu lernen…

Wenn es Menschen gibt, denen ihr Beruf schon mit in die Wiege gelegt wurde, dann gehört Andreas Tost aus Baumgarten bei Pfarrkirchen ganz bestimmt dazu. Bereits der Opa war ein begeisterter und hoch angesehener Schmied. Mit ihm arbeitete er schon immer gerne in der kleinen, alten Garage, die als Werkstatt eingerichtet war, bestaunte sein Geschick im Umgang mit Feuer und Hammer und von ihm lernte er die uralten Tricks und Kniffe von denen er heute noch profitiert. Der berufliche Werdegang schien demnach auch vorgezeichnet: Lehre als Metallgestalter, höchst beeindruckende Gesellenprüfung, Meisterschule und erfolgreicher Abschluss als einer der Besten seines Jahrgangs.
Metall zu schmieden, lernt man mit Knetmasse, erfahren wir. Eine Stange Plastilin lässt sich mit einem  Holzhämmerchen ebenso bearbeiten wie glühendes Metall mit dem Schmiedehammer – nur der Kraftaufwand ist natürlich geringer. Aber man lernt, das Material mit dosierten Schlägen in die gewünschte Form zu bringen, ohne seine Struktur zu beschädigen. Andreas Tost zeigt uns gerne, wie man glühendes Metall in Form bringt. Aus der Esse zieht er ein massives Vierkanteisen, rot glühend legt er es auf den Amboss des Schmiedehammers und tatsächlich treibt er mit wenigen gezielten Schlägen daraus ein perfektes Rundeisen. Eine einfache Sache, so scheint es, eine Grundübung, und doch erfordert es jahrelange Erfahrung.

Doch vor  Feuer und Hammer kommt bei Andreas Tost Bleistift und Papier. Wer heutzutage einen Schmied beauftragt, für ein schönes Eisentor zum Beispiel, einen Zaun oder für kunstvoll gearbeitete Beschläge, für ein geschmiedetes Möbelstück oder ein Grabkreuz, eine Leuchte, ein Treppengeländer oder ein paar Vorhangstangen, der sucht das Besondere. Eisen nimmt unter dem Hammer von Andreas Tost jede Form an, die der Schmiedemeister aus ihm heraus schlägt, doch diese Formen sind keine Zufallsprodukte, sondern sorgsam ausgearbeitetes Design. Und vor dem Design kommt der Entwurf, den Andreas Tost immer noch frei von Hand zeichnet und seinem Kunden als Idee präsentiert.
Die Ideen des jungen Schmiedemeisters aus dem Rottal kommen bei den Kunden sehr gut an. So gut, dass er manchmal bis spät in die Nacht in seiner Werkstatt hämmert um seine Kunden nicht allzu lange warten lassen zu müssen. Schmiedekunst ist wieder im Kommen. Die Kunden schätzen traditionelle Handwerksarbeit aus der Region wieder höher als langweilige Massenware aus Fernost und sind bereit dafür auch den einen oder anderen Euro mehr zu bezahlen. Individualität und Wertigkeit zahlen sich langfristig aus, vor allem für Kunden die Stil und Design für sich selbst zu einem Markenzeichen gemacht haben. Die gehobene traditionelle Gastronomie und Hotellerie zum Beispiel hebt sich gerne durch authentisches Ambiente vom Wettbewerb ab.  Einer der letzten Auftraggeber war zum Beispiel das Gasthaus Murauer in Antersdorf bei Simbach am Inn, für das Andreas Tost die Vorhangstangen, die Weinkellergitter und die Dekoration der Schänke  von Hand geschmiedet hat. Der Unterschied zwischen bloßem Anschein und tatsächlich hochwertigem Ambiente liegt im Detail. Mehr und mehr lernen die Auftraggeber diesen Unterschied wieder zu schätzen und werten ihre privaten oder geschäftlichen Objekte mit hochwertiger Handwerkskunst auf.

Andreas Tost liebt es, Metall nach der traditionellen Methode zu formen und versucht so weit wie möglich, auch mit traditionellen Schmiedetechniken zu arbeiten. Kehlen, spalten, lochen, absetzen, schlichten, stauchen, so wie es schon der Großvater gemacht hat.Ganz besonders stolz ist er dabei auch auf seinen Schmiedehammer, den er nach langer Suche fast zufällig in den Tiefen des Internets gefunden hatte. Um die hundert Jahre ist er alt, ein tonnenschweres Ungetüm, doch Andreas Tost schwört auf diese alte, aber immer zuverlässige Technik. Eigentlich fast ein Museumsstück, funktioniert der historische Hammer immer noch wie am ersten Tag. Man könne sich einfach auf die alten Hämmer besser verlassen, meint er. Grundsolide Technik, einfach zu warten und leicht zu reparieren, falls doch mal etwas kaputt gehen sollte. Andreas Tost weiß sich immer zu helfen, wenn Werkzeuge gebraucht werden. Ein Schmied ist traditionell der Hersteller von Werkzeugen aller Art und so baut sich auch Andreas Tost fast jedes Werkzeug selbst. Auch wenn mal ein Kunde den Meißel seiner Hilti geschärft und gehärtet braucht, ist Andreas Tost zur Stelle. Einen Schmied zu kennen, löst fast jedes Problem.

Aus der kleinen alten Garagenwerkstatt des Großvaters ist Andreas Tost mittlerweile ausgezogen. Vor einigen Monaten hat er seinen Neubau fertig gestellt, hier hat er nun deutlich mehr Platz zum Arbeiten und kann seiner Kreativität noch mehr freien Lauf lassen. Schade, dass der Großvater diese schöne Schmiedewerkstatt nicht mehr sehen konnte, bestimmt hätte er seine Freude daran gehabt.

Information von:

Kunstschmiede Andreas Tos
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Metallbauermeister – Schweißfachmann
Haidprechting 3
84378 Dietersburg – Baumgarten

Tel: 08565 – 964 2681
Mobil: 0170 – 41 38 99 3

info@kunstschmiede-tost.de
www.kunstschmiede-tost.de

Geschichtliches
Historische Kunst
Die Kunst des Schmiedens ist ein sehr altes Handwerk. Durch Hämmern, Verdrehen oder Pressen werden Metalle wie Kupfer, Bronze, Eisen sowie unterschiedliche Edelmetalle kunstvoll geformt. Die Geschichte der Schmiedekunst reicht bis in das achte Jahrtausend v. Chr. zurück, wo bereits Werkzeuge, Schmuck und Waffen geschmiedet wurden.
In der Eisenzeit erreicht die Schmiedekunst einen Höhepunkt. Funde von kunsthandwerklichen Untensilien wie Gefäßen oder Gewandspangen sind Belege dafür. Art und Form der Verzierung lassen Rückschlüsse auf zeitliche und regionale Eigenschaften zu.

In der Antike wurden vornehmlich Vasen und Schwerter gefertigt. Erst im 9. Jahrhundert kam das geschmiedete Hufeisen in Gebrauch. Später wurden Beschläge, Kaminblöcke, Gitter und Leuchter kunstvoll gefertigt. Fackelhalter und Laternen wurden besonders in Florenz gearbeitet. Deutschland war im 16. Jahrhundert führend in der Schmiedekunst, wobei Waffen aufwendig hergestellt wurden. Daraus entwickelten sich weitere Verzierungsverfahren: Gravieren, Bläuung, Ätzung, Eisenschnitt und Vergoldung wurden zum Teil bei anderen Schmiedearbeiten angewandt. Barock und Rokoko brachten künsterlisch anspruchsvolle Gittertüren, Geländer für Balkone und Treppen, Chorgitter, Wirtshausschilder und Brunnenlauben. Im 19. Jahrhundert verdrängte der günstigere Eisenguss die Schmiedekunst. Ein Jahrhundert später gewann sie wieder an Bedeutung. Hochwertige und individuelle Anfertigungen waren wieder gefragt.

Der Kunstschmied bedient sich einer Vielzahl an Werkzeugen: Amboss unterschiedliche Schmiedehämmer und Schmiedezangen. Unabdingbar ist die Hitze des Feuers sowie die Abkühlende Wirkung des Wassers. Der Schmied stellte viele seiner benötigten Werkeuge selbst her. Beispielsweise werden Biegevorrichtungen für häufig gebogene Formen gearbeitet, damit eine zügige Reproduzierbarkeit ermöglicht wird.
» Im schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen…

Mit einer kleinen Auswahl möglicher Designs alleine bei Vorhangstangen bekommt der Kunde eine Vorstellung der denkbaren Metallideen. Das Meisterstück von Andreas Tost: ein Stuhl in dem fast alle historischen Schmiedetechniken zu sehen sind. Der historische, ca. 100 Jahre alte Schmiedehammer. Schmieden ist immer noch zum größten Teil schweisstreibende handarbeit, Das endgültige Finish am Werkstück erfolgt immer noch mit Hammer und Amboss.
» Das Schmieden ist eine uralte Kunst des Handwerks, in der Deutschland einmal führend in der Welt war. Wir sollten diese Kunst nicht vergessen. «