Google feiert Geburtstag. Erst 14 Jahre ist der Suchmaschinengigant und doch revolutioniert er die Märkte. Nun kommt der Bub in der Pupertät…

Vor 14 Jahren nahm der heutige Suchmaschinenriese seinen Dienst auf. Google begann das Netz nach Inhalten zu durchsuchen und für entsprechende Suchanfragen aufzubereiten. In Deutschland hat Google heute einen Marktanteil von beinahe 96% (Quelle: Comscore – 03-2012) und beantwortet täglich Millionen von Suchanfragen. Google hat sich vollständig in unser Online-Leben integriert.

Ein 14-jähriger Bengel zeigt der Weltwirtschaft also wie es geht und erschliesst nebenbei Märkte, an die wir vor 10 Jahren nicht zu denken glaubten. Mit Erfolg, denn das Geburtstagskind setzte im zweiten Quartal 2012 rund 12,2 Milliarden US-Dollar um, unterm Strich verblieben etwa 2,8 Milliarden Gewinn – im zweiten Quartal. Sicherlich genug Geld um eine rauschendes Geburtstagsfest zu geben…

Das Geschäft mit der Suche

Wie kommt Google zu solch großartigen Ergebnissen – die Nutzung der Suchmaschine ist ja kostenlos? Die Antwort darauf ist: Kleine Werbung im ganz großen Stil. Google verdient das meiste Geld mit dem Adwords-Programm und dem genialen Adsense-Werbenetzwerk:

Adwords
Immer dann, wenn Gewerbetreibende mit bestimmten Suchbegriffen nicht in den lukrativen vorderen Rängen der Suchergebnislisten zu finden sind, bietet sich dem Unternehmer die Möglichkeit der bezahlten Werbung bei Google an. So schafft es auch der „kleine Mann“ auf die beliebte Seite 1 bei Google. Die Preise für die Werbung werden vom Markt bestimmt, denn es wird auf den Klickpreis geboten (welchen Betrag bin ich bereit zu investieren, wenn Google mir einen Besucher bringt). Da immer mehr Unternehmen die Besucherquelle Google für sich entdecken, wächst der Markt kontinuierlich und die Klickpreise steigen seit Jahren…. In einigen Branchen werden bereits zweistellige Eurobeträge für einen Klick geboten.

Adsense
Die Ergänzung für Werbewillige ist das Adsense-Programm. Auf der einen Seite stehen Millionen von Webseitenbetreibern, die Google eine Werbefläche zur Verfügung stellen. Die Werbeflächen sind kostenfrei – wird aber auf eine Werbung innerhalb dieser Adsense Werbefläche geklickt, erhält der Seitenbetreiber ein Stück vom Kuchen ab. Google Adsense verknüpft demnach die Werbung mit den Werbeflächen. Das einfache, aber geniale: Jeder profitiert von dieser Vermittlungsdienstleistung und deswegen ist es ungebremst erfolgreich.

Die Pupertät, der kleine Junge wird zum Rotzlöffel

Hatte vor 14 Jahren alles ganz harmlos begonnen, eckt Google zunehmend mit Wettbewerbern, Verlagen, Datenschützern und Nutzern an. Was ist geschehen?

Es geht um Macht und Geld. Das Gold des 21. Jahrhunderts sind Daten, viele Daten, am besten alle Daten. Denn mit Daten lassen sich allerlei Berechnungen anstellen, die die Prozesse noch feiner werden lassen und damit noch mehr Macht und noch mehr Geld produzieren werden soll.

Dabei hat Google in der Vergangenheit einen ganz wichtigen Faktor übersehen: den Menschen. Die Suchmaschine kann anhand von Suchanfragen Trends erkennen und erfolgreich monetarisieren. Google wusste bis vor kurzem aber rein gar nichts über die Menschen, welche hinter den jeweiligen Suchanfrage stehen.

Das Kapital, die Werbung konnte also nur auf Suchbegriffe, nicht aber auf Personengruppen eingegrenzt werden. Es ist demnach bei Google nicht möglich, Werbung für bestimmte Geschlechter, Altersklassen, oder eine solvente Klientel gefiltert anzuzeigen.  Ein erheblicher Nachteil für die Werbeindustrie, die doch so gerne Ihre „Zielgruppen“ anspricht. Google ist demnach gezwungen, diese Lücke zu schliessen. Facebook hätte die Daten in rauen Mengen, aber eine Kooperation scheint (Gott sei Dank) unrealistisch. Dennoch beginnt ein Kampf um die Datenbeschaffung, die sowohl technisch wie auch juristisch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist.

Erste Erfolge kann Google aber vermelden: Mit der Änderung der Datenschutzbestimmungen im März 2012, erlaubte sich Google, alle Nutzerdaten über alle Dienste hinweg zusammenzufügen. Und das sind bekanntlich nicht wenige: Google Suche, Google Mail, Google Kalender, Google Maps, Youtube und natürlich das neue Social Network Pendant zu Facebook: Google+ um hier nur einige zu nennen.

Was daran besonders ist? Nun eine kleines Szenario:

Sie haben einen Termin im Google Kalender eingetragen, diesen über Google Mail an 3 Besprechungsteilnehmer mit Ort und Zeit versendet. Google weiss also mit wem Sie sich wo und wann treffen. Google kann daraufhin beginnen Ihr Netzwerk (Ihre Gesprächspartner) zu „untersuchen“ und so im Laufe der Zeit ein komplettes Profil Ihrer Kontakte, Geschäftspartner, Vorlieben, Lieblingsplätze etc. erstellen.

Nutzen Sie nur einen dieser, oder ähnlicher Dienste, dann lohnt ein Blick auf http://www.google.com/ads/preferences – denn dort sehen Sie zumindest auszugsweise, was Google über Sie bereits in Erfahrung gebracht haben möchte.

Achja und sollten Stimmen laut werden, dass Apple mit dem iPhone in Sachen Datensammelwut viel schlimmer sei:  Google ist Hauptmitglied der Open Handset Alliance, welche das quelloffene Android Betriebssystem für Mobiltelelefone, Smartphones, Tablets und Netbooks entwickeln. 500 Millionen Android Geräte wurden bislang aktiviert, pro Tag kommen etwa 1,3 Millionen neue Android Geräte hinzu! Also auch den permanent wachsenden mobilen Markt hat Google durchaus im Blick…

Bleibt uns nur, dem Suchmaschinengiganten alles Gute zum Geburtstag zu wünschen, verbunden mit dem Wunsch, dass Google seinem selbst gesetzten Motto auch in Zukunft treu bleibt: Don´t be evil – Sei nicht böse!