Alle Menschen, die jemals ein Haus gebaut haben, berichten übereinstimmend von einem Phänomen, welches ebenso übereinstimmend von denen, die demnächst irgendwann bauen möchten, nicht geglaubt wird: der Bau wird IMMER teurer als gedacht. Grundsätzlich finden sich in der Gesamtproblematik rund um das Baubudget zwei Triebfedern, die das Konto von zwei Seiten in die Zange nehmen und ausquetschen: Erstens, die steigenden Ansprüche während der Bauphase und zweitens die unkalkulierten Kosten, die mehr oder weniger überraschend hinzu kommen. Es gibt gewisse Positionen, die man in der Kostenkalkulation gerne übersieht und nicht einbezieht. Dennoch treten diese Positionen früher oder später mit Sicherheit auf. Hier sind einige Stichpunkte für die Kostenkalkulation:

Bauzeitzinsen und Doppelbelastung

Die Kreditkosten laufen schon ab dem ersten Tag der Inanspruchnahme des Geldes – dies ist aber in der Regel noch nicht der Einzugstermin. Man lebt noch in Miete, muss aber schon die Kreditkosten während der Bauzeit bezahlen – diese Kosten sollten entweder genau berechnet werden, oder aber großzügig geschätzt werden. Am besten man rechnet pauschal die gesamte monatliche Kreditrate einfach schon ab Baubeginn ins Budget ein.

Kosten des Grundstückserwerbs

Beim Kauf des Grundstückes fallen diverse Kosten an. Dies sind zum einen der Kaufpreis, zusätzlich aber kommen noch Erschließungskosten und Notargebühren für den Kauf dazu. Doch damit nicht genug: Es fallen weiterhin an: Grunderwerbssteuer, Bauherrenversicherung, Kosten für den Grundbuchauszug, Kosten für die Eintragung der Grundschuld beim Notar, Kosten für die Baugenehmigung, Verwaltungsgebühren.

Kosten beim Baubeginn

Beginnt der Bau, so kommen zunächst einmal die Versorger, die ihr Geld verlangen. Diese Kosten erschrecken den Bauherrn oft, weil es große Summen sind, die oft nicht beachtet wurden: Die Kosten für Gas-, Wasser,- Strom-, Kanal- und Telefonanschluss können zusammen locker EUR 4.000,- oder mehr ausmachen. Gemeindeumlagen und Abnahmen zum Beispiel durch den Kaminkehrer kommen noch dazu.

Kosten der Baumaßnahme

Was oft bei den Baukosten nicht besprochen oder übersehen wird, sind die Kosten für Baustrom und Wasserverbrauch während der Bauphase. Zusätzlich können im Baugrund unvorhergesehene Positionen lauern. Muss Erde entsorgt, zwischengelagert oder aufgefüllt werden? Informieren Sie sich über diese Kosten!

Kosten beim Bau

Wer seinen Bauarbeitern und Helfern regelmäßig Brotzeit und Getränke ausgibt, sichert sich damit die manchmal sehr nützliche Kulanz bei schwierigen Detailfragen und Zusatzwünschen. Doch jede Woche zwei, drei Kisten Getränke und Leberkässemmeln sind nach mehreren Monaten auch zu einem vierstelligen Betrag geworden – schwupps, weg!

Kosten beim Umzug

Umziehen ist teuer. Man benötigt entweder Helfer, oder Fahrzeuge, oder beides. Zusätzlich kann man davon ausgehen, dass bei jedem Umzug etwas kaputt geht.

Kosten nach dem Einzug

Was so gut wie jeder vergisst, ist die Anlage des Gartens. Mit ein wenig Rasensaat ist es nicht getan, das wird einem spätestens bewusst, wenn man anfängt sich im kahlen, unbepflanzten Garten nicht so richtig heimisch zu fühlen. Im Garten kann richtig Geld verschwinden ohne dass man viel davon sieht. kleine Wege zu pflastern, einen Steingarten anzulegen, Bäumchen und Heckensträucher zu kaufen, Erden und Substrate, aber vor allem: Gartengeräte! Wer aus einer Wohnung in ein Haus mit Garten zieht, der braucht Gartengeräte! Rechen, Spaten, Schaufel, Schneeschaufel, Harke, Rasenmäher, Heckenschere, Gartenschlauch, Rasensprenger. Die Erstanlage eines Gartens kann man ohne große Sprünge zu machen, locker mit EUR 5.000,- kalkulieren – aber dann ist man noch nicht bei der „Endlösung“. Nicht zu vergessen die Terrassenmöbel. Haben Sie alles bedacht? Rechnen Sie für die Anschaffung neuer Möbel ein gewisses Budget ein, Sie werden es brauchen. Zwar mögen sie glauben, dass Sie mit den alten Teilen auskommen, doch in der Regel vergrößert man sich bei einem Neubau. Eine Vitrine für die leere Ecke in der Diele? Ein Teppichvorleger im neuen Wohnzimmer? Dekorationsmaterial für das Traumhaus? Vorhänge hat ihre Frau schon bedacht – die Vorhangstangen auch? Glauben Sie nicht, dass das Thema „Licht und Lampen“ mit weniger als 500 Euro zu behandeln ist – wenn Sie ein Lichtbanause sind. Sofern Sie auf einmal „Geschmack“ entwickeln, werden Sie feststellen, dass eine schöne Lampe über dem Esstisch schnell alleine das Doppelte kosten kann. Rechnen Sie bei den Materialien nicht nur mit dem Primärmaterial (z.B. Laminat) sondern auch mit dem Hilfsmaterial (Trittschalldämmung, Sockelleisten, Werkzeug, Übergangsleisten, Silikon, etc.) – das summiert sich! Eine versteckte Kostenposition beim Ausbau: Anschlüsse verschiedener Materialien aneinander: Eine Blende hier, eine Gummilippe dort, eine Leiste hier, eine Verspachtelung dort.

Mehrungen

Machen Sie sich über eine Sache keine Illusionen. Sie glauben, dass Sie mit der Standardausstattung leben können, doch spätestens bei der Bemusterung werden Sie feststellen, dass das „andere“ Waschbecken aber nicht nur viel schöner, sondern auch pflegeleichter ist, dass Ihre Liebingsfliese acht Euro pro Quadratmeter teurer ist, dass die besseren Armaturen eben das Doppelte kosten und bei der Küche man lieber doch keine faulen Kompromisse eingehen möchte – schliesslich baut man nur einmal…

Nummer Sicher

Versuchen Sie alle oben genannten Positionen in Ihrer Bau-Kalkulation zu berücksichtigen und planen sie darüber hinaus noch einmal fünf Prozent von der gesamten Bausumme als Sicherheitsreserve ein. Dann haben Sie zumindest eine halbwegs realistische Chance, mit dem Budget auszukommen.